Der Islam - Religion der rahma,

der Barmherzigkeit

 

 

 

Abdoldjvad  Falaturi

 

 

   

1. Einleitung und Begründung

lnfolge der jahrhundertelangen Polemik gegen den Islam und der Auseinandersetzung mit ihm, deklarierte man nicht selten den Islam als Religion der Härte und sogar der Rache. Dementsprechend wurde auch Gott im Islam, also der Gott der Muslime (Allah), als ein von seiner Willkür geleiteter, richtender, strafender und rachsüchtiger Gott charakterisiert.

Davon hat man - um dabei "konsequent" zu sein - nicht selten mit Genugtuung Härte, Gnadenlosigkeit und Rachsüchtigkeit der Muslime abzu­leiten versucht und sogar bestimmte politische und geschichtliche Erscheinungen (vor allem kriegerische Erscheinungen), ja sogar viele islamische Vorschriften (besonders das islamische Strafrecht) aus dieser Perspektive kommentiert. Der Vollständigkeit halber, und um diese Absicht auch historisch-wissenschaftlich zu begründen und alle Zweifel daran auszuschließen, haben die Verfechter dieser These nach Vorfahren dieses unliebsamen Phänomens gesucht und sie gefunden. Es sollten bereits die Juden gewesen sein, die die Geschichte der Religionen mit einer solchen Härte belastet haben, indem sie an einen so rachsüchtigen, ja gewalttätigen Gott geglaubt bzw. sich Gott in einer solchen Gestalt und in einem solchen Gewand vorgestellt haben.

Eine Stufe höher wird der Islam (wie auch das Judentum) von denjenigen Vertretern dieser Interpretation eingestuft, denen der islamische Gott nicht mehr als ein willkürlich rächender Gott, sondern als gerechter Richter gilt, der alles genauestens mit der Waage der Gerechtigkeit abwiegt und die Sündigen und Abtrünnigen bestraft, jedoch ohne Liebe und ohne Gnade. Mit einer solchen These verfolgten ihre Urheber ein anderes Ziel: Damit sollte der Gegensatz zwischen dem Christentum und den beiden anderen semitischen Religionen hervorgehoben werden. Demnach bleibt das Christentum die einzige Religion der Liebe und der christliche Gott der einzige Gott der Liebe, frei von Rache, Härte, Strafe usw.

Diese Tendenz findet in der dialektischen Theologie Karl Barths und seiner Gefolgsleute ihre theologische Prägung: Nach ihnen gilt der Islam als Musterbeispiel einer seelenlosen, mechanistischen Gesetzes- und Selbsterlösungsreligion.[1] Um so erfreulicher ist es, feststellen zu können, daß man heute durch intensivere Beschäftigung mit dem Islam und aufgrund zunehmender Objektivität im interreligiösen Dialog bereit ist, bzw. Bereitschaft zeigt, die tendenziöse Polemik fallen zu lassen und auf die Muslime zu hö­ren, wie diese selbst ihre Religion verstehen und empfinden.

Ein bedeutungsvolles Beispiel lieferte das Zweite Vaticanum (1962-1965), das die Barmherzigkeit Gottes im Islam als ein entscheidendes gemeinsames Moment zwischen Christentum und Islam hervorhebt:

"Mit Hochachtung betrachtet die Kirche auch die Muslime, die den alleinigen Gott anbeten, den lebendigen und in sich seienden, barmherzigen und all­ mächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde, der zu den Menschen gesprochen hat."

Um die Barmherzigkeit Gottes geht es in diesem Beitrag. Es soll der Versuch unternommen werden, das Phänomen der rahma, mit dem der Islam für die Muslime steht und fällt und welches ihr geistiges und praktisches Leben bestimmt, aber im christlichen Abendland bis heute noch verkannt geblieben ist, von verschiedenen Seiten zu beleuchten.

 

2. Philologische Erläuterungen

Unter den verschiedenen Ausdrücken, die in der arabischen Sprache für das Erbarmen, für die Barmherzigkeit und, in diesem Sinne, für die Gnade und Güte Gottes gebräuchlich sind, hat der Wortstamm von rahma die häu­figste Anwendungsquote. Das gilt auch für den Koran und die Sunna, die ebenfalls das Wort ra´fa im Sinne von rahma verwenden.

Was heißt rahma?

Dem ursprünglichen Wortsinn nach bezeichnet rahma ein rigqa, d. h. ein mit Sanftheit und Liebenswürdigkeit verbundenes Mitgefühl, das den Menschen zur Güte und zur Wohltat bewegt und auffordert. Auf Gott bezogen, kann aber rahma nicht mehr die riqqa, also Sanftheit und Mitgefühl, beinhalten.[2] Er ist über eine solche Art der Gefühlswelt erhaben. Seine rahma gilt als in´am (Gabe) und als ifdal und ihsan (Wohltat und Güte), ohne das der Empfänger dies verdient oder einen Anspruch darauf hat.

Aus der Fülle der von r-h-m abgeleiteten Verbal- und Nominalformen ha­ben zwei Nomina, rahman und rahim, durch den Islam eine zentrale Be­deutung gewonnen. Ar-Rahman und ar-Rahim sind zwei der wichtigsten Eigennamen Gottes in der Reihe seiner überlieferten "Schönsten Namen"[3] (al-asma' al-husna). Ar-Rahman, übersetzt mit "der Gnädige", "der Er­barmer" und "der Barmherzige", wird nur von Gott bezeugt, während ar-Rahim (übersetzt mit "der Barmherzige", "der Gnädige", "der sich Erbarmende"), auch von Menschen ausgesagt wird.

Darüber, ob es einen inhaltlichen Unterschied zwischen den beiden Begriffen gibt oder nicht, gehen die Meinungen auseinander. Von Bedeutung für uns mag folgende Inhaltsbestimmung sein: Ar-Rahman umfaßt die gesamte Schöpfung - selbst die Menschen, die nicht an ihn (Gott) glauben - in seiner Güte und Gnade diesseits und jenseits. Ar-Rahim hingegen konzentriert sich hauptsächlich auf die Gläubigen im Hinblick auf die Gnade der Recht­leitung.[4]

 

3. Der Koran und das Phänomen der rahma

Es gehört zur inhaltlichen Würdigung dieses Phänomens, festzustellen, welches Gewicht der Koran und die Sunna der rahma beimessen. Einen Eindruck davon vermittelt ihre Häufigkeitsquote im Koran: Mehr als 700mal kommen unterschiedliche Formen des Wortstammes im Koran vor. Alle Koransuren fangen mit dem Vers "Im Namen Allahs, des Erbarmers (ar-Rahman), des Barmherzigen (ar-Rahim)" an. Eine Ausnahme bildet nur die Sure 9. In der Sure 27 kommt dieser Vers zusätzlich zum Anfang auch in der Mitte, und zwar als ein Teilvers (Vers 30) vor, so daß er 114mal soviel wie die Anzahl der Koransuren, wiederholt wird.

Wie wichtig außerdem der Vers "Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen" für die Muslime in ihrem Alltag ist, ist aus der Sunna ersichtlich. Dort wird jedem Muslim mit Nachdruck empfohlen, ausnahms­los alle seine Handlungen damit zu beginnen, wie es der Koran zu Beginn jeder Sure tut: "Alles, was nicht im Namen Gottes beginnt, bleibt unvollständig" (gültig als allgemein anerkannter Hadith). Dies hat auch in der Tat dahingewirkt, daß die Muslime schon von ihrer Kindheitserziehung her selbst die profansten Handlungen wie essen, trinken, Autofahren, ein Haus betreten, aus dem Haus gehen, eine Rede halten usw., damit beginnen. Als Muslim hat man das Gefühl, eine gewisse Garantie der göttlichen Gnade, Güte und Barmherzigkeit bis zur Vollendung der Handlung an seiner Seite zu haben. Hier geht es um die Allgegenwart der göttlichen rahma und de­ren existentiellen Bedeutung für die Bestimmung des Mensch-Gott Ver­hältnisses.

Das ist der Fall, solange man sich auf den Wortstamm rahma konzentriert. Quantitativ und qualitativ hat man mit einem viel größeren Spektrum der göttlichen Gnade, Güte und Barmherzigkeit zu tun, wenn man dazu (zur rahma) noch die weiteren mehr als dreißig unter den "Schönsten Namen" Gottes, die je den einen oder anderen Aspekt von ihr detailliert bezeichnen, in Betracht zieht; Namen wie al-´Afuww (der die Sünden Auslöschende), at-Tawwab (der die Reue Annehmende), al-Gaffar und al-Gafûr (der stets großmütig Verzeihende), al-Wahhab (der große Verleiher/Spender), ar­ Razzaq (der stets Ernährende), al-Karim (der Gütige), al-Mun´im (der Gunst Verleihende), al-Barr (der Wohltätige), al-Wadûd (der Liebevollste), ar-Ra'ûf (der Erbarmungsvolle) usw. verdeutlichen dies. Alle diese Namen und auch Tätigkeitsinhalte, die sich auf Gott beziehen, wie fadl, ğûd (Güte), ihsan (Wohltat) werden oft im Koran, in der Sunna und in den Bittgebe­ten der Muslime allein oder als Wiederholung bzw. Unterstützung von rahma erwähnt. Sie prägen ihrerseits den mit rahma von Gott gemeinten Inhalt und öffnen eine breitere Basis des Verhältnisses des Menschen zu Gott.

Eine für die Beantwortung der Vorwürfe gegen den Islam besonders wichtige spezifische Inhaltsbestimmung von rahma liefern all diejenigen Phänomene, die, wie 'afw und gufran (Verzeihung, Vergebung), auch oft mit rahma oder im Bezug auf rahma allein verwendet werden, was speziell das Verhältnis Gottes zu dem Sündigen bestimmt.

Das läßt sich auch dadurch demonstrieren und belegen, daß die Anzahl derjenigen göttlichen Namen, die im Zusammenhang mit seiner Gerechtigkeit auf seinen Zorn und seine Strafe hindeuten, nur einen Bruchteil jener ausmacht, die seine Barmherzigkeit betonen. Selbst die Erwähnung seiner Gerechtigkeit ('adl und qist) steht in der Häufigkeit weit hinter dem zurück, was seine Gnade, Vergebung, Gütigkeit und Barmherzigkeit verkündet.

 

4. Der Wirkungsbereich der Barmherzigkeit, der rahma Gottes

Die eben angedeutete Relation zwischen der Barmherzigkeit Gottes und seiner aus Gerechtigkeit entstehenden Strafe schildert der Koran in kurzer und prägnanter Weise:

„Gott sagt: Mit meiner Strafe treffe ich, wen ich will. Aber meine Barmherzigkeit kennt keine Grenze . . . „ (genauer: umfaßt alle Dinge/wasi`at kullla sai'). (Koran 7,156)

Daß seine Barmherzigkeit auch die zu Strafenden umfaßt, wird durch diese Gegenüberstellung besonders betont. Auch in Verbindung mit dem göttli­chen Wissen von den Fehltaten der Menschen wird die Grenzenlosigkeit seiner rahma betont:

"Diejenigen, welche den Thron tragen, und die, welche ihn umgeben, lob­ preisen ihren Herrn und glauben an ihn und erbitten Verzeihung für die Gläu­bigen: ,Unser Herr, du umfassest alle Dinge in Barmherzigkeit und Wissen; so vergib denen, die sich bekehren und deinen Pfad befolgen, und schütze sie vor der Strafe des Höllenpfuhls`" (Koran 40,7).

Über die Fehltaten der Menschen hinaus werden hier sogar die Barmherzigkeit und das Wissen Gottes im Hinblick auf den Umfang gleichgesetzt; beide umfassen im gleicher Weise nicht nur die Menschen, sondern die gesamte Schöpfung, das gesamte Dasein, mit dem Unterschied, daß die Barmherzigkeit, und nur diese, noch eine Sonderstellung innerhalb aller anderen göttlichen Handlungen einnimmt, nämlich die, daß Gott sich zur Barmherzigkeit als einziger Handlung bzw. Handlungsweise verpflichtet (Koran 6,12 und 6,54):

"Er hat sich zur Barmherzigkeit verpflichtet. Er wird euch sicher zu dem Tag der Auferstehung versammeln, an dem kein Zweifel ist."

"Heil sei über euch! Euer Herr hat sich zur Barmherzigkeit verpflichtet. Wenn einer von euch in Unwissenheit Böses tut und dann später umkehrt und sich bessert, so ist Gott bannherzig und bereit zu vergeben."

Bezeichnend dabei ist, daß sich die selbst auferlegte Verpflichtung nur auf den Vollzug seiner rahma bezieht. Zu keiner anderen Handlung sonst hat sich Gott verpflichtet. Diese Einmaligkeit der Verpflichtung zur rahma, und zwar nicht nur der Sünde gegenüber, sondern ganz allgemein, und da­ zu, daß rahma "alle Dinge" umfaßt und grenzenlos ist, hat die islamischen Theologen und Philosophen, Mystiker und sogar Rechtsgelehrte zu vielen Ansichten und Theorien innerhalb des jeweiligen Bereiches veranlaßt. Sie sehen in diesen Koranbelegen den eindeutigen Grund zur Überzeugung, daß die Barmherzigkeit und nur diese in einmaliger Weise das oberste göttliche Handlungsprinzip darstellt. Dafür sprechen auch Phänomene, die im Koran als rahma schlechthin bezeichnet werden, welche ihrerseits den Inhalt von rahma noch deutlicher veranschaulichen. Die weiteren Abschnitte haben sich damit zu beschäftigen.

 

5. Die Rechtleitung als höchstes Exempel von rahma

Die Frage nach dem konkreten Inhalt von rahma (Barmherzigkeit) muß hier gestellt werden. Wie in der christlichen Welt, setzt man auch in der islamischen Welt die Barmherzigkeit Gottes als etwas Bekanntes, sogar Selbstverständliches, voraus. Es wird weder nach dem genauen Inhalt noch nach einem konkreten Exempel davon gefragt.

Interessant ist deshalb der Umgang des Korans selbst mit diesem Begriff: Mehr als 110maI kommt rahma in dieser substantivischen Form vor. Es besteht die Möglichkeit, durch eine genaue Analyse des jeweiligen Kontextes, in dem rahma vorkommt, zu verschiedenen inhaltlichen Aspekten davon zu gelangen, um sich schließlich aus ihrer Summe eine genaue Vorstellung von deren Inhalt zu machen. Das würde aber den Rahmen unseres Vorhabens sprengen. Hier gilt es, nur diejenigen Stellen davon (rahma im Koran) in Betracht zu ziehen, wo jeweils ein eindeutiger Sachverhalt gemeint ist.

Ein konkretes Exempel der Barmherzigkeit stellen die Lebendigkeit und der ständige Wechsel in der Natur dar; eine Barmherzigkeit Gottes, die für alle, die an ihn glauben oder ihn leugnen, gilt:

"Schau doch auf die Spuren der Barmherzigkeit Gottes! (Schau) wie er die Erde (wieder) belebt, nachdem sie abgestorben war! Er kann (auch) die Toten (wieder) lebendig machen. Er hat zu allem die Macht." (Koran 30,50)

In gleicher Weise gelten auch alle dazu notwendigen, die Lebendigkeit bewirkenden Naturerscheinungen als Barmherzigkeit Gottes, die ebenso alle Kreaturen betrifft:

"Und er ist es, der die Winde schickt, daß sie frohe Botschaft von seiner Barmherzigkeit bringen. Wenn sie schließlich schweres Gewölk aufkommen lassen, treiben wir es einem ausgedorrten Land zu und lassen dadurch das Wasser (vom Himmel) herabkommen. Und wir bringen dadurch allerlei Früchte hervor. So bringen wir (dereinst bei der Auferstehung) die Toten (wie­ der aus der Erde) hervor. Vielleicht würdet ihr euch mahnen lassen: ` (Koran 7,57)

An anderer Stelle:

"Und er ist es, der, nachdem sie (schon) alle Hoffnung aufgegeben haben, reichlichen Regen (vom Himmel) herabkommen und (ihnen) seine Barmherzigkeit zukommen läßt. Er ist der (einzig wahre) Freund und des Lobes würdig." (Koran 42,28)

Einen größeren Rahmen nehmen diejenigen Stellen ein, in denen die rahma durch ihre enge Verbindung mit anderen Begriffen bestimmte Aspekte des Verhältnisses Gottes zum Menschen bestimmt. Betont wird das Vergebungsmoment (magfira) in rahma dort, wo es sich um die Begegnung mit Gott im Jenseits handelt:

"Und wenn ihr um Gottes willen getötet werdet oder sterbet, so ist (jedenfalls) Vergebung und Barmherzigkeit von Gott (wie sie dereinst den Gläubigen ge­währt wird) besser als (all) das, was man (im Diesseits an Geld und Gut) zu­sammenbringt." (Koran 3,157)

In Kombination mit Liebe und Zuneigung (mawadda) zwischen Mann und Frau im Familienleben spielt das Herzlichkeitsmoment in rahma eine vorrangige Rolle:

"Und zu seinen Zeichen gehört es, daß er euch aus euch selber Gattinnen ge­schaffen hat, damit ihr bei ihnen wohnet. Und er hat bewirkt, daß ihr (d. h. Mann und Frau) einander in Liebe und Erbarmen zugetan seid. Darin liegen Zeichen für Leute, die nachdenken." (Koran 30,21)

Im gleichen Sinne, aber dann allgemein auf die zwischenmenschlichen Verhältnisse bezogen, heißt es im Zusammenhang mit Güte und Milde (ra’fa), und zwar auf die christliche Verhaltensweise bezogen:

"Hierauf ließen wir hinter ihnen her unsere (weiteren) Gesandten folgen. Und wir ließen Jesus, den Sohn der Maria, folgen und gaben ihm das Evangelium, und wir ließen im Herzen derer, die sich ihm anschlossen, Milde Platz grei­fen, Barmherzigkeit und Mönchtum." (Koran 57,27)

Das göttliche Wohlgefallen stellt einen anderen Aspekt aus der Barmherzigkeit Gottes dar:

"Ihr Herr verkündet ihnen (aus dem Schatz seiner Gnade) (wörtl.: von sich) Barmherzigkeit und Wohlgefallen, und (daß ihnen) Gärten (zuteil werden), in denen sie beständig Wonne empfinden." (Koran 9,21)

Die häufige Verbindung der rahma mit Güte und Huld (fadl) im Koran und in der Sunna betont nicht nur das Huld-Moment an ihr, sondern hat die beiden im islamischen Sprachgebrauch in ein Begriffspaar verwandelt:

"Sag: Über die Huld Gottes und über seine Bannherzigkeit, darüber sollen sie sich nun freuen. Das ist besser, als was sie (im Diesseits an Geld und Gut) zusammenbringen." (Koran 10,58)

"(Aber) dann, nachdem dies geschehen war, wandtet ihr (das Volk lsrael) euch ab. Und wenn nicht Gott seine Huld und Barmherzigkeit über euch hätte walten lassen, würdet ihr (schon längst) zu denen gehören, die den Schaden haben." (Koran 2,64)

Einen besonderen Sinngehalt und eine alle Religionen, vor allem die abrahamitischen Religionen, umfassende ökumenische Bedeutung weist Barmherzigkeit überall dort auf, wo sie als Begriffspaar mit Rechtleitung (huda) verwendet wird: Auf den Koran und alle Offenbarungen davor bezugnehmend, sagt der Koran:

"Im Bericht über sie liegt fürwahr ein Grund zum Nachdenken für diejenigen, die Verstand haben. Und es ist keine Geschichte, die aus der Luft gegriffen wäre. (Es ist) vielmehr eine Bestätigung dessen, was (an Offenbarung) vor ihm (Koran) da war, und setzt alles (im einzelnen) auseinander - eine Recht­leitung und Bannherzigkeit für Leute, die glauben." (Koran 12,111; vgl. auch 11,63)

Auf den Inhalt der Schriften von Moses bezogen, heißt es dann:

"Hierauf gaben wir dem Mose die Schrift, um (unsere Gnade) an dem zu voll­ enden, der (seine Sache) gut gemacht hat, und um alles (im einzelnen) ausein­anderzusetzen, und als Rechtleitung und Barmherzigkeit:' (Koran 6,154)

Oder:

"Und als sich Moses Zorn gelegt hatte, nahm er die Tafeln. In ihrem Text ist Rechtleitung und Barmherzigkeit enthalten für diejenigen, die ihren Herrn fürchten." (Koran 7,154)

Im gleichen Sinne wird die Funktion des Korans bewertet:

"Und wir haben die Schrift auf dich herabgesandt, um alles klarzulegen, und als Rechtleitung, Barmherzigkeit und Frohbotschaft für die, die sich (uns) er­ geben haben." (Koran 16,89)

Und:

"Dies sind die Verse der weisen Schrift - eine Rechtleitung und Barmherzig­keit für die Frommen ... " (Koran 31,2-3)

Die Rechtleitung weist sich somit nicht nur als ein wesentliches Moment der rahma aus. Im Kontext der Rechtleitung werden sogar Gesandte und die an sie herabgesandten Offenbarungen mit rahma identisch erklärt: Zur Thora als Vorbild für den Koran heißt es:

"Die Schrift Moses ist ihm (dem Koran) als Richtschnur und Barmherzigkeit vorausgegangen." (Koran 46,12)

Oder:

"Ist denn einer, dem ein klarer Beweis von seinen seines Herrn vorliegt, wäh­rend ein Zeuge vor ihm ihn (d. h. den Koran) verliest und die Schrift Moses ihm als Richtschnur und Barmherzigkeit vorausgegangen ist ... " (Koran 11,17)

Zum Koran speziell heißt es dann:

"Dieser Koran berichtet den Kindern Israels das meiste von dem, worüber die uneins sind. Er ist eine Rechtleitung und (ein Erweis unserer) Barmherzigkeit für die Gläubigen." (Koran 27,76 77)

Oder:

"Wir senden im Koran (den Menschen) Offenbarungen hinunter, die für die Gläubigen ein Quell des Trostes und (ein Erweis unserer) Barmherzigkeit sind. Aber die Frevler haben dadurch nur noch mehr Schaden." (Koran 17,82)

In diesem Sinne ist auch Jesus eine Barmherzigkeit Gottes:

"Er sagt: So (ist es, wie dir verkündet wurde). Dein Herr sagt: Es fällt mir leicht (dies zu bewerkstelligen), Und (wir schenken ihn dir) damit wir ihn zu einem Zeichen für die Menschen machen und weil wir (den Menschen) Barmherzigkeit erweisen wollen. Es ist eine beschlossene Sache." (Koran 19,21)

Auch Muhammad selbst wird mit rahma gleichgesetzt:

"Und wir haben dich nur deshalb (mit der Offenbarung) gesandt, um den Menschen in aller Welt Barmherzigkeit zu erweisen." (Koran 21,107)

Diese und ähnliche Belege im Koran und in der Sunna bestätigen jene Do­kumente, die rahma als "oberstes göttliches Handlungsprinzip" und als "göttliche Verpflichtung" gegenüber die Schöpfung, die ohne Einschränkung alles umfaßt, erweisen.

  

6. Philosophische Interpretation des Schöpfungsaktes im Lichte der Barmherzigkeit und der Güte Gottes

Islamische Philosophen wie al-Farabi (gest. 950) und Avicenna (lbn Sına, gest. 1037), die sich im Hinblick auf die Entstehung der Wett auf den Spuren der platonischen Emanationslehre befinden, finden hierfür in der rahma als dem obersten göttlichen Handlungsprinzip den Anschluß an die islamische Schöpfungsvorstellung. Nicht die rahma selbst, sondern der in ihr tief verankerte Aspekt der Güte und Gabe Gottes (ğûd und faid) ist es, der sich nach ihrer Auffassung im koranischen Schöpfungsakt offenbart. Nicht zweckgebunden, sondern aus der "Überfülle", gehen, neuplatonisch gesehen, alle Dinge, das All, aus dem unveränderlichen, vollkommenen, göttlichen Einen hervor. Demgegenüber ist der göttliche Schöpfungsakt dem koranischen Wortlaut nach aus Gottes Willen heraus zu begreifen:

"Er ist es, der (alles) erschafft, und der (über alles) Bescheid weiß. Bei ihm ist es so: Wenn er etwas will, sagt er dazu nur: sei!, dann ist es." (Koran 36,81-82)

Das Bestreben der islamischen Philosophen geht einerseits dahin, daran festzuhalten, daß Gott nicht die Kreaturen um eines ihm Vorteil bringenden Zweckes willen, also nicht zweckgebunden, geschaffen hat:

"Und ich habe die Dschinn und Menschen nur dazu geschaffen, dass sie mir dienen." (Koran 51,56)

Ob man das Dienen als Erkennen oder als allgemeines Gottausgerichtetsein im Denken und Handeln versteht, spielt bei der Tatsache, dass dies die Vollkommung der Dienstleistenden bedeutet und nur ihm zugute kommt, keine Rolle.

Andererseits wollen sie (die islamischen Philosophen) die koranischen Besonderheit, nämlich den göttlichen Willen, kraft dessen das Ganze geschaffen wurde, aufrechterhalten. Alles dreht sich darum, die Nichtzweckgebundenheit des göttlichen Willens und zugleich den Erschaffungsakt aus ihm heraus zu erklären. Die Überzeugung, rahma = oberstes göttliches Handlungsprinzip, bietet sich hier an. Der erschaffende Wille erklärt sich nach der Auffassung der Philosophen aus dieser Überzeugung. Ihrer Meinung nach ist dieser göttliche Wille nichts anderes als in rahma verankerte Güte (ğûd). Rahma kommt zwar nicht ausdrücklich in ihrer Erklärung vor. Die Güte Gottes, die aber hierbei die Hauptrolle spielt, ist, islamisch gesehen, ohne diese nicht vorstellbar.

Als Ergebnis einer längeren Ausführung über Gott als Urheber des gesam­ten Daseins fasst Avicenna seine Gedanken wie folgt zusammen:

"Das Notwendigseiende (Gott) besitzt keinen Willen, der dem Wesen und dem Sinngehalt nach anders ist als sein Wissen. Wir haben nämlich erörtert, daß sein Wissen und sein Wille ein und dasse1be sind. Ebenso wurde erklärt, dass seine Macht mit dem Erfassen aller Dinge durch sein Wesen identisch ist; seine Macht ist Ursprung von allem und nicht das Ergebnis davon. Er ist der Urheber, ohne von der Existenz irgendeiner Sache abhängig zu sein. Dieser Wille in der Weise, wie wir ihn ergründet haben, ist im Hinblick auf die Gabe (das Hervorgehen) des Seins von ihm (faid) an keinen anderen garad, (Ziel, Absicht, Zweck) gebunden. Er (der erschaffende göttliche Wille) ist nichts anderes als die Gabe (al-faid), und diese ist die Güte (al-ğûd)"[5]

Barmherzigkeit erweist sich somit nicht nur als oberstes göttliches Handlungsprinzip in bezug auf die göttliche "Sendung" (auf das Noetische), sondern auch in bezug auf Erschaffung (auf das Ontologische).

 

7. Rahma als Ansatz zu einer anthropologischen Schöpfungs­theologie, nach der das Mütterliche und nicht das Väter­liche das Verhältnis Gottes zu den Menschen bestimmt

Die Überzeugung, daß das Gottausgerichtetsein (Islam) nicht nur den In­ halt aller von Gott gesandten Botschaften ausmacht (Islam als Urreligion), sondern noch dazu die ursprüngliche Haltung der von Gott geschaffenen Natur des Menschen (din al-fitra):

"Richte nun dein Antlitz auf die [einzig wahre] Religion als Hanif! [Das ist] die natürliche Art, in der Gott die Menschen erschaffen hat." (Koran 30,30),

findet auch im Phänomen rahma ihre Bestätigung. Das läßt sich über etymologische Überlegungen, die auf die frühislamische Zeit zurückgehen, und sich durch die Sunna des Propheten belegen lassen, erläutern: Von der gleichen Wurzel r-h-m, von der rahma abgeleitet ist, ist rahim, d. h. der Mutterleib, abgeleitet. Aus der Tatsache, daß er die einzige Entstehungsstätte des Individuums und der Gemeinschaft bildet, bedeutet dieses Wort (rahim) auch Verwandtschaft. Der Plural von rahim ist arham. Im Koran kommt für die beiden Bedeutungen stets nur diese Pluralform für einen singulären Sachverhalt vor:

"Er ist es, der euch im Mutterleib (al-arhim) gestaltet, wie er will: " (Koran 3,6)

"Fürchtet Gott, in dessen Namen ihr einander zu bitten pflegt, und wahret die Verwandtschaft (al-arham)." (Koran 4,1)[6]

Der bekannte und als Koranexeget bis heute anerkannte islamische Gelehrte ar-Ragib al-Isfahani (gest. 1100) beruft sich hierbei zur Erläuterung dieses Zusammenhanges zwischen rahim und rahma (Mutterleib und Barmherzigkeit) und somit zur weiteren Inhaltsbestimmung des Wortes rahma auf eine Aussage des Propheten, die lautet:

"Als Gott rahim, den Mutterleib (als Urquelle der Verwandtschaft des Men­schengeschlechtes) schuf, sagte er zu ihm: ,Ich bin ar-Rahman (der Barm­ herzige), und du bist rahim. Ich habe deinen Namen von meinem Namen ab­ geleitet, wer sich um dich kümmert, um den werde auch ich mich kümmern, und wer dich vernachlässigt, wird von mir vernachlässigt: "

Davon leitet ar-Ragib die Tatsache ab, daß Gott dem Menschen von seiner Erschaffung, von seiner Geburt an rahma, d. h. umsorgendes Mitgefühl, mit auf den Weg gegeben hat, was um so mehr eine ständige ununterbrochene rahma von Gott selbst erwarten läßt, mit dem Unterschied, daß rahma von Gott, im Gegensatz zu der des Menschen, über den Mutterleib mitgegeben ist und die angeborene rahma kein Mitgefühl und kein Mitleid (riqqa) beinhaltet, sondern ein reiner "Güteakt" (ihsan) ist.

Demnach gewinnt der Begriff rahma auf den Menschen bezogen eine existentielle Bedeutung und auf Gott bezogen die Bedeutung einer ununterbrochenen Aktion, die die Gott-Mensch-Beziehung bestimmt. Das Gott­ Mensch-Verhältnis bekommt somit im Islam mütterliche, also weibliche, Züge und nicht, wie im Christentum, väterliche, also männliche Züge. Sein Verhältnis zu den Menschen ist somit nicht in seiner Allmacht, also seiner Stärke, begründet, sondern mehr von der rahma (Barmherzigkeit) bestimmt, die als oberstes Handlungsprinzip sogar seiner Allmacht eine be­stimmte Richtung weist. Es ist gerade diese Barmherzigkeit, die von der Schöpfung her auf der Ebene des menschlichen Daseins von der Mutter und nur von ihr repräsentiert und jedem Kind mitgegeben wird.

Dennoch bedeutet dies nicht, daß man im Islam dazu neigt, das christliche Vater-Sohn/Kind-Verhältnis zu ersetzen. Nach islamischer Überzeugung schließt das Gott-Mensch Verhältnis ganz konsequent solche Vergleiche, seien sie auch symbolisch gemeint, aus. Der Islam sieht darin eine Herabstufung des von der grenzenlosen Barmherzigkeit bestimmten Verhältnisses Gottes zu den Menschen.

Eines ist dennoch gewiß: Die dem Menschen über den Mutterleib mitgege­bene Barmherzigkeit räumt der Frau eine Sonderstellung als Mutter ein. Von daher ist es verständlich, wenn sich die Verfechter der islamischen Rechte der Frauen, bzw. die Verteidiger der Frauenrechte den Männern ge­genüber, auf diesen sprachlichen Zusammenhang zwischen den Namen Gottes, Rahman und Rahim und der rahim als Bezeichnung des Mutterleibes, als Urstätte des menschlichen Lebens, beziehen. Sie sehen darin eine gewisse existentielle Vorrangigkeit der Frauen gegenüber den Männern, wie auch deren stärkere Verbundenheit mit einigen der wichtigsten Eigen­schaften Gottes, nämlich Güte, Barmherzigkeit und Wohltätigkeit.

Die Vertreter dieser These haben zwar nicht, auch nicht ansatzweise, daran gedacht, daraus eine Art Schöpfungstheologie zu entwickeln. Man hätte aber wohl gut daran getan, zusätzlich die weiteren parallelen theologischen Erscheinungen im Islam in Betracht zu ziehen. Wie das Phänomen "Islam" hat auch das Phänomen rahma zwei Ebenen, die von ein und derselben Quelle herrühren und miteinander korrespondieren: Es geht zum einen um die Barmherzigkeit/rahma, die von Geburt an dem Menschen als eine von Gott her bestimmte Anlage mitgegeben ist, die dann von dem Individuum entweder weiterhin gepflegt, ausgebaut und in der Gemeinschaft weiterentwickelt oder völlig vernachlässigt und ins Gegenteil verkehrt wird. Zum anderen geht es um die Barmherzigkeit/rahma, die als Rechtleitung, als göttliche Sendung den Menschen mitgeteilt wird. Jene mitgegebene Anlage bereitet den Menschen darauf vor, diese von Gott gesandte zu empfangen. Diese hilft wiederum jener, sich zu entfalten. Die beiden Ebenen, die Phä­nomene "Barmherzigkeit" und "Islam", bilden - sofern sich der Mensch daran hält - eine Einheit: ein von der Barmherzigkeit herrührendes Gottausgerichtetsein, das das Verhältnis Gottes zu den Menschen und das Ver­halten des Menschen zu Gott als unzertrennbares Bündnis bestimmt.

 

8. Die Hoffnung auf die Barmherzigkeit Gottes aufzugeben, gilt als eine große Sünde

Das Gott-Mensch-Bündnis, das göttlicherseits von Barmherzigkeit und menschlicherseits von Gottausgerichtetsein bestimmt ist, gilt als heilig und unantastbar. Alles, was dieses Bündnis verletzt und dagegen verstößt, zählt folgerichtig als Sünde. Als ein großer Verstoß gilt es, an der Barmherzigkeit Gottes zu zweifeln. Das ist identisch mit dem Zweifel daran, ob Gott seine sich auferlegte Verpflichtung zur rahma (s. o.) erfüllen würde: also ein Zweifel an Gott.

Der Koran und die Sunna warnen eindringlich den Menschen, ja den sündi­gen Menschen, davor, die Hoffnung auf seine Barmherzigkeit aufzugeben.

"Wer würde die Hoffnung auf die Barmherzigkeit seines Herrn aufgeben! (Das tun) nur diejenigen, die irregehen." (Koran 15,56)

Das sind nur diejenigen, die sich nicht auf dem Wege des Islam, des Gottausgerichtetseins, befinden. Noch deutlicher:

"Sag: Ihr meine Diener, die ihr gegen euch selber nicht maßgehalten habt! Gebt nicht die Hoffnung auf die Barmherzigkeit Gottes auf? Gott vergibt (euch) alle (eure) Schuld. Er ist es, der barmherzig ist und bereit zu verge­ben." (Koran 39,53)

Das Gott-Mensch-Bündnis wird somit um ein wesentliches Moment - die Hoffnung auf die Barmherzigkeit Gottes - bereichert. Der Anteil des Menschen an diesem Bündnis, d. h. sein Gottausgerichtetsein, sein Islam, vervollständigt sich durch seine ständige Hoffnung auf das Erbarmen Gottes.

Er hat diesen Weg im vollen Vertrauen auf Gott und im Gefühl der Geborgenheit in seiner Barmherzigkeit zu gehen.

Die (oben erwähnte) von der Sunna ausgesprochene Empfehlung an den Menschen, alle. seine Handlungen mit "Bism-i Allah-i r-Rahman-i r­-Rahim" (Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen) zu begin­nen, findet damit ihre Begründung. Der Mensch und seine Handlungen sind von der Barmherzigkeit Gottes umgeben. Er soll daher seinerseits alle seine Handlungen auf Gott ausgerichtet und in der Geborgenheit in dessen Barmherzigkeit beginnen und vollenden. Das bestimmt seine Haltung innerhalb seines Bündnisses mit Gott.

Aber auch seine Haltung gegenüber der Gemeinschaft soll im Zeichen der Barmherzigkeit mit allen oben genannten Aspekten (Liebe, Vergebung, Güte, Milde, Huld) geregelt sein. Diese gebotene Grundhaltung wurde bereits durch die Erschaffung des Menschen über den Mutterleib (rahim) mit­ gegeben und - durch das gleiche Phänomen rahim, jetzt im Sinne der Ver­wandtschaft weiter unterstützt - auf die gesamte menschliche Gemein­schaft ausgebreitet und als ihr Fundament erfasst. Die mitgegebene, angeborene rahma - ergänzt durch die göttliche Rechtleitung (Offenbarung als rahma) - soll die Basis der islamischen Gemeinschaft und ebenso die Grundlage jeder zwischenmenschlichen Beziehung bilden. Daraus leitet sich das Gott-Mensch-Gemeinschaft-Bündnis ab.

 

9. Barmherzigkeit und Gerechtigkeit in der göttlichen Sphäre und in der Gemeinschaft

Eingangs wurde darauf hingewiesen, daß man bei der Gegenüberstellung von Islam und Christentum dem Islam bestenfalls zugute gehalten hat, daß er das Prinzip "Gerechtigkeit" zugrundelegt, wodurch es dann zur unrichtigen Charakterisierung des Islams als "Gesetzesreligion" im Gegensatz zur "Gnadenreligion" kommen konnte. Demzufolge kann der Islam im günstigsten Fall, so wurde behauptet, nur eine Religion der Gerechtigkeit, aber keinesfalls eine Religion der Liebe sein. Vor dem gleichen Hintergrund konstruiert man auch die islamische Gemeinschaft, die unter harten rechtlichen Bestimmungen, ohne Liebe, zu leiden habe.

Im Rahmen der islamischen Überzeugung, die die Barmherzigkeit als das höchste göttliche und auch menschliche Handlungsprinzip ansieht, steht der Gerechtigkeit die Barmherzigkeit gegenüber und nicht die Liebe, die nach dem Koran vor dem Hintergrund der rahma eine tiefe Neigung dem Menschen gegenüber zum Ausdruck bringt; darüber mehr im nächsten Abschnitt.

Ein quantitativer Vergleich in Hinblick auf die Anwendung beider Begriffskomplexe im Koran (vgl. Abschnitt 2) zeigt, daß die Barmherzigkeit und die damit sinnverwandten und zusammen-hängenden Phänomene ein viel größeres Anwendungsspektrum haben als die Gerechtigkeit und die damit verbundenen Phänomene wie Strafe, Zorn, Höllenqual usw. Diese machen zahlenmäßig nur einen Bruchteil von jenen aus. Das Quantitative sagt etwas Qualitatives aus: Die Grundeinstellung des Islam basiert auf dem ober­sten Handlungsprinzip rahma und nicht auf Gerechtigkeit.

Das bedeutet aber nicht, daß das Gerechtigkeitsprinzip etwas Unbedeuten­ des und Vermeidbares ist. Im Grunde verstehen sich Gerechtigkeit (´adl, qist) und Barmherzigkeit (rahma) nicht als Gegensatz: Gerechtigkeit ist vielmehr als Ausdruck einer kosmologischen und gesellschaftlichen Ordnung zu verstehen; einer Ordnung, die per se keine Zerstörung zuläßt. Auf die menschliche Gemeinschaft bezogen, bedeuten die als Sünde bezeichne­ ten Handlungen solche, die zur Zerstörung führen. Bei der Herstellung eines Ausgleiches kommt primär das Prinzip der Bewahrung der Ordnung ('adl/Gerechtigkeit) in Betracht, und zwar als ein Prinzip, das, auf die Notwendigkeit der gesamten kosmischen und weltlichen Ordnung hin gesehen, von rahma, also von der Güte Gottes, seiner gesamten Schöpfung gegenüber und nicht nur gegenüber einem einzelnen, abhängt. Dennoch besteht, auf den Willen und die Barmherzigkeit Gottes bezogen, die Möglichkeit, die durch widerspenstige Handlungen entstandenen Zerstörungen kraft seiner Güte auszugleichen. Das macht den Sinn der Gegenüberstel­ lung von Gerechtigkeit und Güte in einem Bittgebet aus:

"Unser Herr! Behandle uns nach deiner Güte (fadl) und nicht nach deiner Ge­rechtigkeit (´adl)."

Das entspricht wiederum einem Hadit al-Qudsi, der in der Sprache Gottes heißt: "Meine Barmherzigkeit (rahmati) geht meinem Zorn voraus."[7]

Die Barmherzigkeit (rahma) und die Gerechtigkeit ('adl, qist) sollen ihrem Sinn und ihrer Funktion nach sowie in der gleichen Relation auch dem Gemeinwesen eine berechenbare Struktur geben. Auf die Rechtsprechung bezogen, soll der folgende Absatz ein konkretes Beispiel dafür zeigen:

"Neben der Gerechtigkeit gehört die Barmherzigkeit bzw. die Gnade (rahma/fadl) zu den obersten Maximen des islamischen Rechts. Auf Gott bezogen, sind beide Maximen anzutreffen; sie bestimmen korrelativ das allgemeine Gerichtsverfahren und die Rechtsfindung im Einzelfall. Die Haltung des zur konkreten Rechtsprechung Berufenen, ob Gott, Prophet, Kalif oder Richter, muß gegenüber dem Betroffenen, der ebenfalls ein Glied der islamischen Gemeinschaft ist und bleibt, von diesen beiden Maximen geleitet werden, um in der besonderen Position der Doppelstellvertreterschaft auch eine möglichst unangreifbare Objektivität für die Lage des potentiellen Täters (Sünders) zu gewährleisten.

Die Handlungsgerechtigkeit soll die absolute Gesetzmäßigkeit aufrechter­ halten. Als gemeinschaftsdienliche Gerechtigkeit im Sinne der Beseitigung der Ungerechtigkeit (raf`u z-zulm) wird sie mit der exakten kosmischen Gesetzmäßigkeit in Verbindung gebracht.[8] Die Barmherzigkeit aber soll demgegenüber die menschliche Konstitution berücksichtigen und, eingedenk der Schwäche des Menschen, die Art und Höhe der Strafe nach Möglichkeit niedrig halten, mitunter sogar den Verzicht darauf bewirken können, ohne damit die vorgegebene göttliche Ordnung zu gefährden. Barm­herzigkeit (rahma) zeigt sich als die oberste Maxime göttlichen Handelns und ordnet die Beziehung Gottes zu den Menschen. Sie ist die einzige Verpflichtung, die Gott den Menschen gegenüber auf sich nimmt. ,Euer Herr hat sich zur Barmherzigkeit (rahma) verpflichtet: (Koran 6,54) Alles weitere göttliche Wirken ist als Konsequenz zu betrachten. Die praktische Korrelation zwischen rahma und `adl bestimmt Wesen und Praxis der islamischen Rechtsfindung. Das weltliche Gerichtsurteil soll Beispiel für göttliches Wirken sein, indem es prinzipiell die Härte der Gerechtigkeit mit der Milde der Barmherzigkeit (Gnade und Vergebung) verbindet."[9]

Das gleiche gilt für eine berechenbare, aber humane, liebevolle islamische Gemeinschaft schlechthin.

  

10 Barmherzigkeit und Liebe

Von der islamischen Theologie, Philosophie oder auch der Mystik her ge­sehen, gibt es keinen Grund, nach der Relation von Barmherzigkeit und Liebe zu fragen. Auch der Koran und die Sunna geben keinen Anlaß dazu. Diese Frage hat ihre Berechtigung einzig und allein aus der Gegenüberstellung von Christentum und Islam, und dies auch im Hinblick auf das Prinzip, welches jeweils als oberstes Handlungsprinzip gilt.

Zum Auftakt der Diskussion gehen wir hier von einer Stelle des Matthäus­ Evangeliums (5. Kap., Vers 43-45) aus, das auch sonst für den Dialog zwischen Juden, Christen und Muslimen von Bedeutung ist:

"Ihr habt gehört, es ward gesagt: ,Du sollst deinen Nächsten lieben` (vgl. Luk. 19, Vers 18); doch hassen magst du deinen Feind. Ich aber sage euch: Liebet eure Feinde [tut Gutes denen, die euch hassen] und betet für die, die euch verfolgen [und verleumden], auf daß ihr Kinder eures Vaters werdet, der in den Himmeln ist. Er lässt ja seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und läßt regnen über Gerechte und Ungerechte."

Der letzte Satz, der die Liebe Gottes selbst zu den Bösen und Ungerechten demonstrieren soll - dadurch, daß er auch für diese die Sonne scheinen und den Regen herabkommen läß -, deckt sich ganz und gar mit den oben zitierten Koranversen, welche anhand von Naturerscheinungen (Regen, Wind, Lebendigkeit der Natur usw.) zeigen wollen, daß die Barmherzigkeit Gottes auch die Abtrünnigen umfaßt. Die diesbezügliche Gemeinsamkeit ist so stark, daß man sogar aus Koran und Sunna, islami­scher Mystik und Ethik und selbst aus der islamischen Theologie Belege für die Aufrechterhaltung der Forderung "Liebet eure Feinde" im Sinne von "tut Gutes denen, die euch hassen" finden kann.

Wenn sich aber der Islam, mit dem, was in diesem Zusammenhang verkündet wird, nämlich mit Vers 39: "Ich aber sage euch: Leistet dem Bösen keinen Widerstand; vielmehr, schlägt dich einer auf deine rechte Wange, so halte ihm auch die andere hin", nicht einverstanden erklärt, so hat dies mit der Praktizierung der Liebe oder Barmherzigkeit nichts zu tun. Es liegt vielmehr darin begründet, daß der Muslim in dieser Aufforderung eine Beihilfe zu einer bösen Tat sieht, die ihm untersagt ist.

Trotz der Übereinstimmung darf man nicht voreilig daraus folgern, daß es sich im Grunde um ein und denselben Sachverhalt, nur mit zwei verschiedenen Ausdrücken - hier Barmherzigkeit, dort Liebe - handelt. Das läßt sich durch die Untersuchung des Phänomens "Liebe" in der islamischen Geisteswelt nach Inhalt und Funktion und seiner Relation zur Barmherzigkeit erläutern.

Für das Phänomen "Liebe" gibt es in der arabischen Sprache mehrere Bezeichnungen, von denen hubb/mahabba (Liebe, Zuneigung), wudd/mawadda (Liebe, Freundschaft) und ´isq (Liebe; Liebesglut) die bekanntesten und geläufigsten sind.

lm religiösen Rahmen kommt ´isq fast nur in der Mystik, aber nicht im Koran und kaum in der Sunna vor. Hingegen finden darin die Wortstämme hubb und wudd mehrere Male Anwendung, wobei hubb viel häufiger gebraucht wird.

Zu bemerken ist, daß es nur von wudd das Eigenschaftswort wadûd als einen der "Schönsten Namen" Gottes gibt, und zwar für die Bezeichnung seiner stets bestehenden Liebe vor dem Hintergrund seiner rahma:

"Bittet euren Herrn um Vergebung, und wendet euch hierauf wieder ihm zu! Mein Herr ist barmherzig (Rahim) und liebreich (Wadûd)." (Koran 11,90)

Von dem Wortstamm hubb, dem ihm Rahmen der christlich-islamischen Diskussion über das Thema "Liebe" eine entscheidende Bedeutung beizumessen ist, lassen Koran und Sunna keinen Schönen Namen, z. B. habib oder muhibb ("der Liebende" für Gott) zu. Für uns ist der Begriff hubb/mahabba deshalb von besonderer Bedeutung, weil in den arabischen Über­setzungen der Bibel (das betrifft auch die eben behandelten Bibelstellen Liebe" grundsätzlich mit dem Wortstamm hubb wiedergegeben wird. Das bedeutet, daß es in der arabisch-christlichen Lehre das Phänomen hubb ist, das die zentrale Rolle spielt.

Welche Rolle es in der islamischen Lehre spielt und in welcher Relation es zur rahma steht, kann hier nur kurz umrissen werden:

"Sag: Wenn ihr Gott liebt (tuhibbûna), dann folgt mir, damit (auch) Gott euch liebt (yuhbibkumu Allah) und euch eure Schuld vergibt! Gott ist barmherzig und bereit zu vergeben." (Koran 3,31)

"Ihr Gläubigen! Wenn sich jemand von euch von seiner Religion abbringen läßt, Gott wird Leute bringen, die er liebt (yuhibbuhum) und die ihn lieben (yuhibbunahu) ... "

Hier und an ähnlichen Stellen im Koran und in der Sunna ist von der Liebe des Menschen zu Gott und umgekehrt, von der Liebe Gottes zu den Men­schen die Rede. Im arabischen Sprachgebrauch faßt man hubb/mahabba (Liebe, Zuneigung) als einen psychischen Vorgang auf, bei dem der Liebende irgendeinen Vorteil erwartet. Gott ist aber darüber und über jede Ähnlichkeit mit den Menschen erhaben. Deshalb versteht man unter der Liebe Gottes zu den Menschen: "dem Menschen Gnade und Güte gewähren (in´am)" und unter der Liebe des Menschen zu Gott: "dessen Nähe suchen".

Ein unvergleichbares Übergewicht bekommt in der islamischen Theologie, unterstützt durch die Sunna, die Liebe des Menschen zu Gott; eine Liebe, die ihn auf dem Weg zu seinem Geliebten, zu seinem Gott, begleitet und die sich in seiner Handlung und Haltung Gott gegenüber verifiziert. Dabei spricht man auch, und sogar mit Nachdruck, von der Liebe Gottes zu diesem Gott liebenden Menschen. Diese Liebe (hubb) interpretiert man da­ hin, daß Gott dem ihn suchenden Menschen Gnade erweist und ihm dabei hilft, sein Ziel, d. h. die Nähe seines geliebten Gottes, zu erreichen.

Daraus ergibt sich die Relation des Phänomens "Liebe" zu dem der Barm­ herzigkeit. Die Liebe (hubb) göttlicherseits ist eine besondere Ausstrahlung seiner allumfassenden Barmherzigkeit, mit der höchsten Funktion mit der höchsten Gabe, nämlich, dem suchenden Menschen die Nähe Got­tes zu gewähren.

Eine andere Gewichtung bekommt Liebe (mahabba) in der Lehre von Ibn Taimiya (gest. 1254), der sonst zur konservativen hanbalitischen Schule zählt. Nach ihm ist dem Menschen mahabba Allah (die Liebe zu Gott) von der Schöpfung her mitgegeben worden:

"Gott hat die Natur des Menschen auf die Gottausgerichtetheit, d. h. auf die Lehre Abrahams (hanif) geprägt, deren Fundament die Liebe zu Gott ist."[10] "Es kann daher kein Anbeten geben außer aus der Liebe zu dem Angebeteten: ` "Wenn seine Diener ihn aus der Liebe zu ihm anbeten und hochpreisen, so ist er selbst mehr berech­tigt, sich selbst zu lieben... All diejenigen, die er liebt: die Gerechten, Gü­tigen, Standhaften, Gläubigen, Reumütigen... liebt er, weil er sich selbst liebt."[11] "Liebe als Eigenschaft gehört zu der Vollkommenheit Gottes. Sie bildet den Kern und die Wurzel des Willens... Daher ist die Erschaffung seiner Kreaturen aus einer von ihm gewollten geliebten Weisheit (Veranlassung) gewesen." [12]

Demnach gäbe es keine Schöpfung ohne "Liebe". Liebe bildet den Ansatz zu einer anderen islamischen Schöpfungstheologie. In dieser Richtung, al­lerdings aus einer ganz anderen Perspektive, ist nach den islamischen Mystikern das Entstehen und Bestehen der Dinge aus dem Prinzip "Liebe" (mahabba), ja sogar aus "Liebesglut" (´isq) zu begreifen.

Trotz der Überbetonung der "Liebe" greifen selbst die Mystiker auf die rahma zurück, wenn es z. B. um die Frage der Bestrafung der Sündigen geht. Es ist schwierig, Höllenqual ('adab) mit der verheißenen, uneinge­schränkten Barmherzigkeit Gottes in Einklang zu bringen. An rahma festhaltend, deuten sie die Hölle, und alles, was damit zusammenhängt, um.

Ibn ´Arabi (gest. 1240), einer der größten Gestalten der islamischen My­stik, und seine Interpreten deuten z. B. ´adb wie folgt um:

'Adab kommt von ´adb. ´Adb bedeutet "angenehm". Die Barmherzigkeit Gottes macht den Bewohnern der Hölle ihr Verbleiben dort angenehm.[13]

Diese Interpretation wird von den übrigen islamischen Gelehrten nicht ge­teilt. Das Bemühen, der Barmherzigkeit einen neuen Inhalt zu geben, be­hält dennoch seinen Wert und verdient die gebührende Anerkennung. Unberührt davon bleibt, daß hubb von Gott im Koran und in der Sunna stets auf einen Wert gerichtet ist: Daher kann hubb auch negiert werden. Gegen­ über den oben genannten Beispielen "Gott liebt (yuhibbu) die Frommen, Gerechten usw" gibt es auch "Gott liebt nicht (la yuhibbu) die Ungläubigen, Ungerechten usw." Die Barmherzigkeit Gottes (rahma) hingegen bleibt in ihrer Absolutheit bestehen. Sie kommt nicht in einer einzigen negativen Form vor. Es gibt im Koran keine Aussage "Ia yarhamu Allah", al­ so: "Gott übt mit dem und dem keine Barmherzigkeit". Seine Barmherzigkeit kennt doch keine Grenzen.


 


[1]              Udo Tworuschka: Analyse der evangelischen Religionsbücher zum Thema Islam. In der Reihe: Studien zur internationalen Schulbuchforschung; Schriften des Georg-Eckert-Instituts, Bd. 47. Braunschweig 19ß6, S. 3

[2]              Abû l-Qâsim al-Hussain ibn Muhammad ar-Râgib al-Isfahâni: al-Mufradât fi garib al-qur'ân. .Ägypten, o. J. , S. 191.

[3]              Koran 7,180.

[4]              Abû `Abdu Allah Muhammad al-Qurtubi: al-Ğami’ li ahkâm al-qur'ân. Bd. l. Ägypten 1954, S. 106; Abû Ğa’far Muhammad ibn Ğarir at-Tabari: Ğami’ al-bayân 'an ta'wıl`ayat-i I-qur'ân. Hrsg.: M, M. Sakir. Kairo 1969, S. 128 f.

[5]              Abû ‘Ali Ibn Sinâ: as-Sifa’: al-Ilâhiyât. Kairo 19f0, S. 367.

[6]              al-arhâm wird hier auch mit "Blutsverwandtschaft" oder "Verwandtschaftsbande" übersetzt.

[7]              Fahr ad-Din at-Tirihi: Mağma’ al-Bahrain. Teheran 1983, Bd. 2, S. 133. 8. Samsaddin as-Sarahsi: Kitâb at-Mabsût. Kairo 132411906, Bd. 15, S. 60.

[8]              Samsaddin as-Sarahsi: Kitab al-Mabsut, Kairo 1324/1906, Bd. 15, S. 60

[9]              A. Falaturi, R. May: Gerichtsverfahren und Richter im traditionellen islami­schen Recht. In: Falaturi u. a.: Beiträge zu islamischem Rechtsdenker. Wies­ baden 1986, S. 51 f.

[10]             Taqi ad-Din Ahmad Ibn Taimiya: Minh as-sunna an-nabawiya. Bulâq 1322/1904, Bd. 3, S. 101.

[11]             Ebd., S. 102.

[12]             Ebd., 5. 100.

[13]             Muhyi ad-Din Muhammad: al-Futûhat al-Makiya. Nach Sadr ad-Din Muhammad as-Sirâzi: al Asfar al-arba’a. Teheran 1282/1865, S. 916-920.